Gemeinde St. Joseph

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Die erste Sankt-Albertus-Magnus-Kirche; Pfarrer Gerhard Lange, 23. Juni 1952 - 11. Juli 1972

Vikar Gerhard Lange aus Weidenau bei Siegen übernahm am 23. Juni 1952 von Vikar Vormweg die Pfarrvikarie St. Albertus Magnus. Er brachte von Paderborn den Auftrag mit, in absehbarer Zeit ein neues Gotteshaus zu bauen. Hierzu bestand dringende Notwendigkeit, nachdem Tausende von Bergarbeitern in Beisen eine neue Wohnung gefunden hatten und die Gemeinde auf über 2.000 Seelen angewachsen war. Es folgten erst Jahre des Planens und eisernen Sparens.
 

Große Freude herrschte am 23. Mai 1955, als Vikar Lange den ersten Spatenstich zur Errichtung der neuen Kirche tat. Nach einem Dankhochamt in der Notkirche an der Beisenstraße zogen die Gläubigen, begleitet von den Bannern und Fahnen der Gemeinde zum Bauplatz an der Bonnekampstraße, wo an der Stelle des zu bauenden Altares ein großes Kreuz errichtet war. Mit dem Lied „Erde singe, dass es klinge, laut und stark Dein Jubellied“ begann die frohe Feier. Schon unter dem Schlusslied „Lobet den Herren, den mächtigen König der Ehren“, das durch den stillen Morgen hallte, begann auch schon der Bagger seine unermüdliche Arbeit. Am 17. Juli 1955 nahm Pfarrer Schieferecke die feierliche Grundsteinlegung vor. Schnell schritt der Bau voran. Helmut Pehlke, Chefarchitekt der Westdeutschen Wohnhäuser AG, gestaltete die neue Kirche, dem Charakter der umliegenden neuen Bergmannssiedlungen angepasst, als klaren Klinkerbau mit Fenstern aus Betonmaßwerk. Weithin sichtbares Zeichen war der 36 Meter hohe freistehende Glockenturm. Schon als der Rohbau errichtet war, hatte die Gemeinde einen Freudentag, an dem sie sechs Glocken in den Gottesdienst stellen konnte. Die Glockenweihe war am Sonntag Gaudete, dem 15. Dezember 1955 und wurde durch den damaligen Generalvikar und späteren Weihbischof von Paderborn, Herrn Dr. Wilhelm Tuschen, vorgenommen. So konnten die Glocken auch das neue Jahr 1956 einläuten, das der Gemeinde die Kirchweih bescherte.
 

Bereits am 13. Oktober 1956, einem Samstag, konnte der Erzbischof von Paderborn, Dr. Lorenz Jaeger, unter Beteiligung der gesamten Bevölkerung die neue Kirche St. Albertus Magnus einweihen. Von der Grenze Essens nach Gelsenkirchen bis zur neuen Kirche war die Anfahrtsstraße des Erzbischofs mit gelb-weißen Fahnen und Girlanden geschmückt. Als der Paderborner Oberhirte um 16 Uhr vor dem Portal der neuen Kirche eintraf, waren Tausende versammelt, um an der Weihe der Kirche teilzunehmen. Nach der Begrüßung durch Pfarrvikar Gerhard Lange und Ehrengäste begann die Weihe der Kirche, die sich nach althergebrachtem Zeremoniell abwickelte. Nach der Allerheiligenlitanei betrat Dr. Jäger als erster die Kirche, die in ihrer schlichten Schönheit einen überwältigenden Eindruck machte. Nach Abschluss der Weihe sprach der Erzbischof zur Gemeinde und beglückwünschte sie in herzlichen Worten zu ihrem schönen neuen Gotteshaus. Allen Helfern und Spendern dankte er und gab der Hoffnung Ausdruck, dass alle Gläubigen jeden Sonntag als Fest- und Freudentag in ihrer neuen Kirche feiern möchten. Am Schluss seiner Ansprache erteilte der Erzbischof der Gemeinde seinen Segen. Das erste Livitenamt zelebrierte im Anschluss an die Predigt Pfarrvikar Lange, dessen Werk die neue St.-Albertus-Magnus-Kirche in erster Linie war. Ein weiterer Höhepunkt des festlichen Tages war um 22 Uhr die Überführung des Allerheiligsten Altarsakramentes von der Notkirche in das neue Gotteshaus. Ganz Katernberg-Beisen nahm an der feierlichen Lichterprozession teil. Am nächsten Tag hielt Pfarrer Schieferecke um 10 Uhr den ersten Sonntagsgottesdienst in der neuen Kirche und am Nachmittag gab es bereits den nächsten Grund zur Freude: Um 15:30 Uhr firmte Erzbischof Jaeger in der neu geweihten Kirche eine große Zahl Jungen und Mädchen der Gemeinde St. Albertus Magnus.

 

Zum 1. April 1957 erhob der Paderborner Erzbischof die Filialkirchengemeinde St. Albertus Magnus zu einer selbständigen Pfarrgemeinde. Auf besondere Bitte des Kirchenvorstandes konnte der normalerweise zu junge Pfarrvikar Lange in der Gemeinde bleiben und wurde am 13. Mai 1957 zum ersten Pfarrer ernannt. Am Pfingstsonntag, dem 9. Juni 1957 wurde er feierlich eingeführt. Die ganze Pfarrgemeinde war zugegen, als Pfarrer Gerhard Lange von seiner Wohnung abgeholt wurde. Der stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstands entbot dem Seelenhirten nach einem Gedicht den Gruß der Pfarre. Dann wurde der Pfarrer durch die im Festschmuck prangenden Straßen zum noch verschlossenen neuen Gotteshaus geleitet. Der Dechant des Dekanates Gelsenkirchen, Geistlicher Rat Probst Rieckes, überreichte dem Pfarrer den Kirchenschlüssel. Er erflehte in seiner Predigt den Segen Gottes für den neuen Pfarrer. Pfarrer Lange erinnerte in seiner Predigt an seine 5jährige Tätigkeit als Vikar in Katernberg-Beisen und dankte der Gemeinde für ihre Treue und Mitarbeit. Sie habe aus ihrer Opferbereitschaft das Wagnis bestanden, da neue Gotteshaus zu errichten. Pfarrer Lange erbat von seinen Pfarrkindern auch für die Zukunft den gleichen Opfersinn und echtes Gottvertrauen und erteilte der Gemeinde seinen Segen.

Nach 20 Jahren verdienstvollen Schaffens in der Gemeinde St. Albertus Magnus wurde Pfarrer Lange am 11. Juli 1972 zum Pfarrer der Rotthausener Mutterpfarrei St. Mariä Himmelfahrt ernannt. Nach der Pensionierung im Jahr 1989 kehrte er in seine Heimatstadt Arnsberg zurück. Ein besonderes Anliegen war Pfarrer Gerhard Lange immer die Weltkirche. Der Bau eines Krankenhauses in Fielimo (Ghana) geht ebenso auf sein Konto wie mehrere Bauprojekte in Litauen und Lettland. Für sein Engagement wurde er zum Ehrendomherrn zweier Litauischer Kathedralen ernannt, darüber hinaus verliehen ihm die Städte Telsiai, Akmene und Plunge die Ehrenbürgerschaft. Der Präsident der Republik Litauen Valdas Adamkus zeichnete ihn mit dem Ritterorden des Landes aus. Am 31. August 2007 wurde Gerhard Lange eine besondere Ehre zuteil: Papst Benedikt XVI. verlieh ihm den Titel "Päpstlicher Ehrenkaplan". 2008 konnte Pfarrer Lange seinen 90. Geburtstag feiern.

Am Dienstag, den 31. Mai 2016 ist Monsignore Gerhard Lange im gesegneten Alter von 97 Jahren in seiner Heimatstadt Arnsberg gestorben. Dort fand er auch seine letzte Ruhestätte.